Über das Projekt
Flüsse sind Wasserläufe von immenser Bedeutung für die biologische Vielfalt und den Kampf gegen den Klimawandel. Sie sind seit Jahrhunderten von zentraler Bedeutung für unser menschliches Verständnis von Landschaft und eingebettet in Geschichten über den Leben, Arbeit, Mythen und Kunst. In unserer heutigen Welt werden sie jedoch oft als bloße Ressource betrachtet, die ausgebeutet und technisiert werden soll. Wir, ein internationales Team aus Künstler:innen, Kurato:innenn und Wissenschaftler:innen (aus Indien, Pakistan, Bangladesch, der Schweiz und Europa), haben „River Landscapes“ als gemeinsames Forschungsprojekt initiiert. Das Projekt untersucht, wie die Sprache, mit der wir Flüsse beschreiben, den Rahmen für ihre Nutzung vorgibt. Sie spiegelte und spiegelt auch heute noch koloniale und kapitalistische Agenden wider. Gemeinsam mit Künstler:innen und Forscher:innen wollen wir ein neues Glossar erstellen, um zu einem Verständnis unserer kostbaren Gewässern beizutragen, das sie als Landschaften vieler Arten und Kulturen anerkennt.
Die Kontrolle von Wasserläufen begann bereits Mitte des 19. Jahrhunderts, als europäische Flüsse wie der Rhein begradigt und ihre Unebenheiten beseitigt wurden, um sie durch den Einsatz von Technik, Dämmen und Staustufen zu hochwasserfreien Transportwegen zu machen. Indem Flüsse berechenbarer wurden, wurden ihre früheren Flussbette im Namen der Entwicklung für die Industrialisierung genutzt: Das Land wurde zwischen städtischen Körperschaften und Hochwasser- und Bewässerungsabteilungen aufgeteilt, während die übrigen Gebiete als Gezeitenzonen und Feuchtgebiete und somit als nutzlos angesehen wurden, die trockengelegt und „zurückgewonnen“ werden sollten. Was dabei verloren ging, war die komplexe biologische Vielfalt von Pflanzen, Wasserlebewesen und kulturellen Interaktionen zwischen Mensch und Fluss. Diese Universalisierung von Flüssen als hydraulische Wasserströme wurde zur Sprache der Staudammingenieur:innen und Wasserkommissionen auch in Übersehkolonien, woe sie massive Infrastruktureingriffe an Flüssen rechtfertigte. Die Technologien, die dabei zum Einsatz kamen, wurden universell von einem Flusssystem zum anderen transportiert, vom Rhein über den Mississippi und den Ganges bis hin zum Indus. Um dies zu beschreiben, verwenden Wissenschaftler:innen häufig den Begriff „Koloniale Hydrologie“.
Um die Idee von Flüssen als verflochtene Natur- und Kulturlandschaften wiederzubeleben, möchte unser Projekt ein dekolonisiertes Glossar entwickeln, das Flüsse als ausgedehnte Wasserlandschaften begreift. Das Glossar sammelt Geschichten, Bilder und Sounds von Künstler:innen, Forscher:innen und Einheimischen und zielt damit darauf ab, verschiedene Formen von Wissen und Erfahrung zu artikulieren.
Unterstützt durch den Pro Helvetia Synergies Fonds.


